Als „Ungläubige“ Homöopathie empfehlen
14. September 2018

Als „Ungläubige“ Homöopathie empfehlen

Homöopathie ist irgendwie Glaubenssache. Und ich persönlich glaube nicht dran. Aber ich bin PTA und keine Missionarin. Deshalb habe ich mich trotzdem in das Beratungsthema eingearbeitet.

Eine meiner besten Zeiten, hatte ich in einer anthroposophischen Apotheke. Ich als- und Nicht-Homöopahtieanhänger! Was mir dort besonders gefallen hat: es wurde immer auf eine ausgeglichene Work-Life Balance und ein sehr harmonisches Miteinander geachtet.

Beratungswissen für Ungläubige

Mein Standpunkt war meinen Chefs bekannt, Ich wurde weder kritisiert noch hat man versucht, mich zu bekehren. Daher habe ich mich im Entgegenkommen, natürlich auch weil ich mein Team mochte und unbedingt dort bleiben wollte, in das Thema eingelesen und mir die bekanntesten Stoffe und ihre Wirkung angeeignet. Ich wollte Kunden, die ausdrücklich  „Was Homöopathisches“ verlangte, das richtige Mittel geben können. Denn auch als ‚Ungläubige‘, war es mein Ehrgeiz, gut zu beraten. Dass mich Kunden am HV belehren müssten, kam nicht in Frage.  

Homöopathie – Die „Luftgitarre der Medizin“

Homöopathie- auch gerne als die Luftgitarre der Medizin bezeichnet- geht inzwischen auf eine über 200 Jahre alte Lehre zurück  und baut  darauf auf, je stärker verdünnt- desto stärker wirkt es. Aber nicht nur die Stärke ändert sich, sondern laut der homöopathischen Lehre auch die Wirkung.

Unterschiedliche Potenzen – unterschiedliche Wirkungen

So eignet sich Arnica D6 zwar gegen blaue Flecken und Blutungen, als D12 Verdünnung gilt es hingegen als blutverdünnend und sollte daher nicht bei z.B. bevorstehenden Zahnbehandlungen oder Operationen angewendet werden. Das gleiche gilt für Homöopathika die bei Sillenden bei Milchmangel- oder in einer anderen Potenz zum Abstillen verwendet werden.

Kundengruppe stillende Mütter

Besonders Mütter sind in der Apotheke eine große  Kundengruppe gewesen. Zum einen weil man in der Schwangerschaft und Stillzeit kaum Arzneimittel anwenden kann, zum anderen empfehlen  Hebammen oft Homöopathika als sanfte Medizin, was gut ankommt.

Einmal hatten wie eine Kundin in der Apotheke, die sich darüber beklagt hat, man hat ihr in einer anderen Apotheke das falsche Mittel empfohlen und  laut ihrer Hebamme ist das der Grund für ihre Stillprobleme.

Placebowirkung durch gute Beratung

Wenn man keine frustrierte homöopathiebegeisterte Kundin haben will, sollte man sich in dem Thema ausführlicher befassen – oder die Kundin gleich vorab  informieren, dass man sie dazu  nicht  beraten kann.  Denn die Placebowirkung  sollte man nicht  unterschätzen. So hat bei uns  auch ein sonst sehr kritischer Kunde seine Flugangst in den Griff bekommen, nachdem ihn mein Chef über eine Stunde ausführlich beraten hat. Mit chemischen Wirkstoffen hat er davor negative Erfahrungen gemacht und lehnte sie ab. Das homöopathische Mittel hingegen zeigte  bei ihm die gewünschte Wirkung.

Homöopathie zusätzlich oder bei leichten Beschwerden

Sollte man so jemandem das Mittel ausreden weil es praktisch nur Zucker ist?! Persönlich bin ich dagegen. Was vermutlich auch darauf zurück geht, dass ich nur Kunden erlebt habe die es entweder nur zusätzlich oder bei leichten Beschwerden zur Homöopathie gegriffen haben. Das man mit Homöopathie alles behandeln  kann und die Schulmedizin nix taugt, habe ich von keinem Kunden oder Homöopathen in der Apotheke gehört.

Homöopathie ist nicht dasselbe wie Phythotherapie

Viele Kunden die etwas Homöopathisches verlangen, möchten in erster Linie  eine ‚sanfte‘ Therapie oder sind nicht von der Wirkung ihrer bisherigen Therapie vollständig überzeugt und möchten was Unterstützendes. Viele möchten es auch mal austesten, weil sie im Freundeskreis viele positive Rückmeldungen bekommen haben. Dabei wird nicht selten Homöopathie mit Phytotherapie verwechselt.

Homöopahtie ist nicht vegan

Auch die ‚sanfte‘ Therapie wird oft missverstanden. Und einmal kam die Frage von einer Kundin ob ihre Apis mellifica D6 Globuli auch vegan seien. Apis ist die Hongbiene –streng genommen hat dieses Homöopathicum also einen tierischen Ausgangsstoff. Auch wenn chemisch betrachtet bei 106-facher Verdünnung kein Anteil Honigbiene mehr im einzelnen Globuli nachzuweisen sein dürfte. Die vegane Kundin war trotzdem sauer auf den Homöopathen, der ihr das Mittel aufgeschrieben hat.  

Homöopathische Komplexmittel und fertige Sets …

Heute hat man eine große  Auswahl an Komplexmittel in der Apotheke, die man Kunden auf Nachfrage empfehlen kann. Teilweise bieten auch Hersteller fertig zusammengestellte Sets an gegen die häufigsten Alltagsbeschwerden.

… oder mehr als 100 Einzelwirkstoffe

Echte Homöopathen bauen aber auf Einzelwirkstoffe und lehnen Komplexmittel ab. Eine gut ausgestattete homöopathisches Hausapotheke kann so gerne schon mal aus 100 oder mehr Einzelstoffen bestehen. Die Globuli werden in kleine Röhrchen abgefüllt und teilweise auch nur als einzelne Globuli eingenommen. Persönlich  war ich dazu aber nie eingelesen genug und hab das daher den Kollegen überlassen, die das zudem viel überzeugender verkaufen konnten als ich.

Niemandem den Glauben ausreden

Zum Homöopathie-Fan wurde ich in der Zeit zumindest nicht. Auch wenn mein Chef bei unseren Kunden sehr angesehen war und sie seine Beratung sehr schätzten. Ob es eine Placebo-by-proxy Reaktion war? Aus meiner Sichtweise ja. Homöopathie ist irgendwo eine Glaubensfrage. Aber als PTA sehe ich mich nicht als Missionarin. Ich muss Menschen, die das unbedingt wollen, nicht ihren Glauben an die Homöopathie auszureden. Aktiv empfehlen würde ich es aber nicht – ich bin und bleibe halt eine Ungläubige ….


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