Es ist Zeit für.... Erkältungen
2. November 2018

Es ist Zeit für.... Erkältungen

Wer kennt Sie nicht. Die unterschiedlichen Erkältungskundentypen.
Lest mehr dazu in meinem neuen Blog

Geben Sie mir irgendwas, es muss nur helfen

Das Schöne an unserer Centerapotheke: man trifft sehr viele verschiedene Kunden und kann sich in der Beratung voll ausleben. Das Schlechte dabei: man hat viel Laufkundschaft und viele kommen nur auf einen Sprung vorbei, um schnell ihre Medikamente zu holen, ohne sonderlich an einer Beratung interessiert zu sein.  Bei uns in der Apotheke wird das auch als „Laufkundschaft X-treme“ bezeichnet. Besonders im Feierabendstress ab 17 Uhr, haben wir oft Kunden die in die Apotheke gestürmt kommen und irgendwas gegen Schnupfen haben wollen. Für eine ausführliche Beratung haben sie selten Zeit, oder oft auch kein Interesse daran. Die Gründe sind oft die gleichen: Das Kind muss abgeholt werden, der Einkauf ist noch zu erledigen oder sie wollen einfach nur heim.

Natürlich kann man „irgendwas“ mitgeben, oder wenn ein Kunde ein bestimmtes Präparat nennt, dieses einfach über den HV schieben. Nur, was wenn der Kunde einen Hustenlöser aus der Werbung nennt, wenn er eigentlich etwas gegen trockenen Husten braucht?  Eine Beratung ist schließlich Pflicht und manchmal muss man Kunden dazu nötigen sich ein paar Fragen anzuhören. Fragen wie: „Kennen Sie das Präparat?“ werden gerne mit „Jaja alles bekannt“ beantwortet -um dann nach dem Bezahlen zu fragen wie man das Mittel einnehmen muss- sind weniger zielführend. Stattdessen erwähne ich immer die Wirkung in der Frage, wie z.B. „Saft XY ist Ihnen bestimmt schon als sehr gutes Mittel zur Schleimlösung bekannt. …“, wenn der Kunde etwas schleimlösendes braucht. Daraufhin kommt entweder das „Okay“ oder der Kunde schaut ein wenig verdutzt und sagt, dass er eigentlich einen Hustenstiller sucht (das gilt natürlich auch bei allen anderen Indikationen). Eine gute Beratung braucht Zeit, denn schließlich kann ein Husten auch durch Betablocker ausgelöst werden. Sowas erfragt man am HV nicht innerhalb von einer Minute, die uns der Kunde schenkt.   

PTA-Kunde / Kunde-PTA Duden

Das eigentliche Problem liegt vermutlich auch in einem „PTA-Kunden-Missverständnis“, da wir eine ganz andere Sicht auf die Präparate und die Auswahl haben. Man könnte auch von einem allgemeinen „Fachfrau-Kunden-Missverständnis“ ausgehen. Sowas gibt es in jeder Berufsgruppe, allen voran ITler. Nicht umsonst gibt es inzwischen auf diversen Onlineseiten Sammlungen von Kundensprüchen/-anfragen, die für Insider einfach lustig klingen. Ein Klassiker bei uns: der Produktname.  Denn wer kennt es nicht: das Umckaloabo.  Durch (Online-)Schulungen halten wir uns auf dem aktuellen Stand, eignen uns Fachwissen an, testen Produkte etc. Wir kennen gegen fast jedes Symptom mindestens ein Präparat, dass uns der Außendienst als DAS Mittel der Wahl bei Schnupfen anpreist.  Wissen, welches der Kunde verständlicherweise nicht hat. Genau deswegen halte ich es für wichtig die Wirkung kurz anzusprechen. Jeder von uns hat Kunden in der Apotheke, die etwas Bestimmtes suchen und es in der Werbung gesehen haben (mein persönlicher Favorit: die runden, weißen Tabletten), allerdings wissen sie nicht mehr wie das Produkt heißt. Wenn es ganz blöd läuft, wissen sie auch nicht mehr für was es gut sein soll, aber der Spot war so gut, dass man das auch haben muss. Eine Verwechslung ist dann nicht mehr weit weg. Viele Kunden reagieren auf eine Beratung sehr positiv. In meinen 14 Jahren als PTA habe ich es nur zweimal erlebt, dass ein Kunde keine Beratung wollte und es als Angriff auf die Privatsphäre empfand -schließlich ginge es niemanden was an, was sie haben. Als ob wir es uns nicht denken können bei den jeweiligen Präparaten.

Und wenn der Kunde gar keine Zeit für eine Beratung hat -Kleinigkeiten, wie zum Beispiel eine Teeprobe für die Erkältung, helfen immer um positiv im Hinterkopf zu bleiben. Solche Kunden kommen dann gerne wieder und sind vielleicht beim nächsten Mal bereit, sich etwas länger mit uns zu unterhalten.

 Phytotherapie in der Erkältungstherapie

Ich mag Pflanzen. Sowohl auf der Fensterbank, als auch in der Apotheke. Oder besser gesagt erst seit meiner PTA-Prüfung wieder. Während der Ausbildung waren Botanik und „Praktische Übungen zur Drogenkunde“ gar nicht mein Fall, lediglich das Herbarium sammeln hat mir Spaß gemacht. Aber zum Glück ist das alles lange her und Zellen zeichnen, die danach aussehen wie aus dem Fachbuch gedruckt, muss ich zum Glück auch nicht mehr.

Wie bereits in einem anderen Blogeintrag erwähnt, habe ich mal in einer auf Homöopathie ausgerichteten Apotheke gearbeitet. Dort ist mir besonders aufgefallen, dass viele Kunden von Homöopathie ein ganz falsches Bild haben. Homöopathie wird gerne als Synonym für Phytotherapie verwendet, für alles was pflanzlich, bio, öko, gesund ist und was den Körper wenig belastet. Daher war es meine persönliche Mission, ihnen den Unterschied zu erklären (meine zweite Mission sah ich übrigens darin, Touristen die nach dem Weg zum Porsche Museum fragten beizubringen, dass der Name „PorschE“ und nicht „Porsch“ ausgesprochen wird).  

Ich war immer ein großer Fan von der Phytotherapie. Heilpflanzen waren die ersten Arzneimittel die es gab und sie werden bis heute genutzt. Wenn ich einen Blick in unsere Sichtwahl werfe, beginnen unsere Phytopharmaka ganz links bei unseren Erkältungspräparaten und ziehen sich über unsere Schmerzsalben bis hin zu Mitteln zur Beruhigung, gegen Depressionen und Wechseljahrbeschwerden.  Und natürlich unser Teeregal.  Tees sind allgemein immer eine sehr gute Zusatzempfehlung. Zum einen schmecken sie (meistens) und zum anderen trägt es gleich noch dazu bei, dass man seine Trinkmenge erhöht, was z.B. bei beginnenden Blasenentzündungen nützlich ist.

Bei Erkältungspräparaten werden gerne mehrere Wirkstoffe miteinander kombiniert, um eine optimale Wirkung zu erzielen. Eines meiner Lieblingspräparate enthält Lebensbaum, Färberhülse und Sonnenhut. Bekannter sind die Wirkstoffe wohl eher unter ihrem lateinischen Namen:  Thuja, Baptisia und Echinacea. Hinzu kommt, dass sie gelutscht leicht nach Zitrone schmecken. Echinacea ist bei uns allgemein zur Vorbeugung beliebt. Auch im Team selbst. Ob es daran oder an dem täglichen Kundenkontakt liegt, dass wir nie krank werden, sei mal dahingestellt. Besonders beim Echinacea muss man aber darauf achten, aus welchen Pflanzenbestandteilen das Präparat zusammengesetzt ist. So kann sich ein Präparat, welches nur die Wurzeln verwendet, erheblich von einem Präparat unterscheiden, welches die ganze Pflanze nutzt.  In der Monotherapie bleibt Efeu der Renner in unserer Apotheke. Als Saft, Tropfen, Granulat, Brausetabletten -der Wirkstoff geht immer (natürlich bei der richtigen Indikation) und seine Wirkung ist seit Generationen bewährt. Gefolgt davon ist Thymian -meistens als Tropfen. Beides haben wir natürlich auch in Kombination in der Sichtwahl stehen.

Gefühlt haben wir weit mehr Phytopharmaka als chemische Präparate in der Sichtwahl. Nachgezählt habe ich das aber bisher nicht. Sehr viele Präparate davon sind Weiterentwicklungen von bewährten Produkten, die ich bereits als Kind bekommen habe. Viele der Hersteller bieten inzwischen Onlineschulungen an, damit man in diesem Dschungel den Überblick behält. (Im Übrigen sehr zu empfehlen -man kann sich Wissen aneignen und bekommt bei vielen Anbietern noch Gutscheine für diverse Onlineseiten obendrauf.) Im Team tauschen wir uns regelmäßig aus; was für Rückmeldungen wir von Kunden bekommen haben, wer einen guten Artikel gelesen hat und weiterempfehlen kann, damit wir unsere Beratung optimal abstimmen können.  So halten wir uns immer auf dem neuesten Stand und unsere Kunden bekommen die beste Beratung.

 Erkältung bei kleinen Kindern

Was ist wichtiger als eine optimale Wirkung und eine gute Verträglichkeit bei Arzneimitteln für Kinder? – Richtig! Der Geschmack. Egal wie gut ein Saft ist, wenn er nicht das richtige Kirsch- oder Erdbeeraroma hat, wird er nie seine volle Wirkung zeigen können. 

Kleine Kunden sind in jeder Apotheke vertreten, was auch damit zusammenhängt, dass sie viel öfters krank sind als Erwachsene. Als PTA Anfängerin fand ich es sehr schwer Kunden richtig zu beraten, besonders mit Säuglingen, die zum ersten Mal mit einem Schnupfen in die Apotheke kommen. Viele Arzneimittel sind ab 6 Monaten bzw. einem Jahr zugelassen, da ist die Auswahl nicht allzu groß, die man Eltern empfehlen kann. Ein sehr guter Tipp war in diesem Fall, sich einfach mal die Rezepte der Kinderärzte aus der Umgebung anzusehen. Das was sie gerne Kindern aufschreiben, kann man sehr gut auch Eltern weiterempfehlen. Die einzige Ausnahme die wir bei uns machten war bei xylometazolinhaltigen Nasentropfen vorsichtig zu sein und sie höchstens zur Anwendung nachts auszugeben.

Besonders kompliziert wird die Beratung dann, wenn Eltern bereits eine vorgefertigte Meinung haben und ihre Empfehlung nur bestätigt haben wollen. Mein absolutes Lieblingsgespräch in so einem Fall, habe ich mit einer Mutter am Telefon geführt -drei Minuten bevor es für mich in den Feierabend ging. Ihr Sohn hat einen trockenen Husten, was soll sie tun?! Da der Junge etwas älter war, habe ich ihr zu einem klassischen Hustenstiller mit Pentoxyverin geraten, entweder als Saft oder Tropfen. Beides fand sie nicht so gut, denn unterdrücken kann ja nicht das Wahre sein, wenn der Sohn einen Konflikt in sich trägt, muss er ihn schließlich lösen. Außerdem hatte sie ihn nicht in ihrer Medikamentenbox vor sich.  Gefunden hat sie aber einen Saft auf Efeubasis. Nachdem ich ihr die Indikationsgebiete erklärt habe, wurde aus dem sehr trockenen Husten nur noch ein Hustenreiz, den es zu bekämpfen galt. Aber so ganz überzeugt hat sie der Saft nicht, denn immerhin war er ab einem Jahr zugelassen -dann kann sowas nicht wirken. So ging das Gespräch 25 Minuten weiter, bis sie irgendwann meinte, dass man früher sowas mit einem Stück Butter kuriert hat. Sie werde ihrem Sohn nun einen Kakao machen, darin Butter auflösen und es ihm zu trinken geben, denn der Hals werde so schließlich auch geölt. Und legte auf. Seit dem Gespräch habe ich nie wieder das Telefon kurz vor Feierabend abgenommen. Solche Eltern sind zum Glück eine Ausnahme.

Viele Produkte kennen Eltern bereits aus der Werbung und Internetforen, oder haben sie von Freunden empfohlen bekommen. Mein Ex-Chef war immer geschockt, dass laut Umfragen über 70% aller Arzneimittelempfehlungen durch Nachbarn und nicht PTAs oder Apothekern getätigt werden. Besonders deswegen ist es wichtig nach den genauen Symptomen, die das Kind hat, zu fragen. Denn ein Hustenstiller bei einem produktiven Husten, wäre alles andere als vorteilhaft -auch wenn die Freundin bereits gute Erfahrungen damit gemacht hat. Was auf jeden Fall bei Kindern immer eine gute Zugabe ist, sind Erkältungstees. Übrigens sind sie auch für Erwachsene sehr gut geeignet -allein schon, weil sie von der Zusammensetzung besser schmecken als normale Erkältungstees.

 Männergrippe

Es wird immer wieder behauptet eine Geburt sei das schmerzhafteste was man durchstehen kann – Falsch! Der Profi weiß, dass das Schlimmste, was man erleben kann die Männergrippe ist! Bis zu 7 Tage Leiden und kein Mittel, welches die Schmerzen verringern kann. Zugegeben -da kommt nichts gegen an.

Aber damit Frauen auch in den Genuss kommen, sind es meistens diejenigen die mindestens genauso darunter zu leiden haben wie die Männer. An der Stelle muss man sich einfach mal bei den Herren der Schöpfung bedanken, dass sie uns daran so teilhaben lassen. Kundinnen die als Boten in die Apotheke kommen, um ihren Göttergatten zu versorgen, bekommen daher meine vollste Unterstützung -fast immer ergibt sich dabei eine sehr nette Unterhaltung und man erfährt spätestens beim dritten Satz: „Ach! Eigentlich liegt er mit 37 Grad „Fieber“ zuhause und stellt sich an, als würde ihn sein Schnupfen gleich umbringen, weil er keine Luft mehr bekommt!“ Ja, eine Männergrippe kann gefährlich werden, wobei der schnupfenbedingte Erstickungstod nur ein Risiko von vielen ist. Die oben erwähnten 37 Grad gelten bei Männern gefühlt als magische Fiebergrenze. Letzten Winter postete auf Facebook ein Freund von mir ein Fieberthermometer mit einer angezeigten Temperatur von 37,2 Grad -er lag damit bereits müde, schlapp und krank im Bett. Kommentare wie, dass sei eine normale Körpertemperatur, wurden von ihm, als Männergrippe-Profi, gekonnt überlesen.  Wenn man keine Partnerin hat, wird gerne auch mal die eigene Mutter in die Apotheke geschickt, auch wenn man bereits alleine wohnt.  Das ist beratungstechnisch nicht immer die einfachste Kombination. Mutti will meistens etwas gut Verträgliches und nichts Schädliches für ihren 30-jährigen Sohn, er wiederum will etwas, was richtig reinhaut -ist ja schließlich kein Schnupfen. Die richtige Medikation ist bei einer echten Männergrippe das entscheidende Kriterium für den Therapieerfolg!  Ganz wichtig ist dabei darauf zu achten, keine Medikamente auszugeben die bereits bei Kindern oder Jugendlichen angewendet werden können. Eine echte Männergrippe braucht „richtige“ Arzneimittel, die Erkältungssympto…ähm  eine Grippe heilen können.

Wenn Männer es doch noch alleine mit sehr starken Kopf- und Gliederschmerzen, 36,9 Grad Fieber, Müdigkeit und alles was man sonst noch haben kann, in die Apotheke schaffen und ein Sammelsurium aus Kombinationspräparaten aus der TV Werbung haben wollen, reicht oft allein der Gesamtpreis, dass die Symptome stark nachlassen und ein Nasenspray und eine Packung Paracetamol vollkommen ausreichend sind.

Aber um mal ernst zu bleiben, schließlich geht’s hier um eine schwere Erkrankung: Männer können (angeblich) nichts dafür. Es gibt inzwischen viele Studien zu diesem Thema -die meisten natürlich von Männern aufgestellt. Fast alle kommen zu dem Ergebnis, dass Männer nicht wehleidiger sind, sondern sie wirklich mehr unter Erkältungsviren leiden als Frauen. Schuld daran soll unter anderem das Testosteron sein. Je mehr davon vorhanden ist, desto geringer ist die Anzahl der Antikörper. Frauen tragen diesbezüglich eine Mitschuld an der Männergrippe. In der Steinzeit haben sie Männer mit höheren Testosteronwerten bevorzugt, da die Vorteile der daraus resultierenden Immunschwäche überwiegen -hätte man das denen mal lieber gesagt, was sie uns damit heute eingebrockt haben. Übrigens steigert Östrogen im Gegenzug die unspezifische Immunabwehr und hilft Frauen so, besser mit Krankheiten umzugehen. Eventuell könnte also etwas an der These dran sein.

Als PTA mit „Männergrippe-Expertenzertifikat“ (konnte man 2016 auf der Expopharm erwerben), zeige ich natürlich immer sehr viel Verständnis für Kunden, die sich alleine mit ihrer schweren Erkrankung in die Apotheke trauen. Sie bekommen dann eine besonders gute Beratung inkl. Erklärung wie Acetylsalicylsäure auf die Prostaglandinsynthese wirkt und falls die Partnerin vorgeschickt wird, packe ich ihr gerne noch ein Pröbchen mehr ein. Besonders bewährt haben sich übrigens Entspannungstees.

 

Ich hoffe, dass Dir mein Beitrag mindestens genauso viel Freude schenkt beim lesen, wie ich ihn erfreut geschrieben habe. Über Deine Kommentare und Anregungen zu den oben genannten Themen, würde ich mich sehr freuen. Gerne kannst Du mir auf Facebook schreiben oder mir eine E-Mail an moni.mia@pta-channel.de schicken. Ich freue mich von Dir zu hören. Alles Liebe kommt von Moni.


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