Kein Hirn-Doping für die Schultüte!
28. September 2018

Kein Hirn-Doping für die Schultüte!

Der größte Stressfaktor für Kinder sind oft die eigenen Eltern. Die beste Empfehlung dagegen ist: Lasst dem Nachwuchs mehr Freizeit, die diesen Namen auch verdient: Freie Zeit.

Die Tochter einer Kollegin geht in die zweite Grundschulklasse. Wenn sie uns in der Apotheke besucht, bekommen wir einen Eindruck davon, wie stressig das Kinderleben heutzutage ist. Das fängt bereits beim frühen Aufstehen an (klar wer mag auch sowas?), geht über die Hausaufgaben weiter und endet im Prüfungsstress irgendwann. Wobei man sagen muss: sie hatte noch Glück.

Kinder-Stress durch Schule, Freizeit, Essen
Bei vielen anderen Kindern bleibt es nicht allein beim Schul-Stress. Am häufigsten sprechen wir in unseren Beratungsgesprächen mit besorgten Eltern außerdem über Freizeitstress und Stress durch Essen (oder auch Nicht-Essen).

Eltern sind oft der größte Stressfaktor
Wobei ich aus meiner Beobachtung sagen muss: Der größte Stressfaktor sind oft die eigenen Eltern. Besonders Helikoptereltern, die in ihrem Kind den nächsten Einstein sehen und das Kind am besten schon vor der Einschulung entsprechend „fördern“.

Dauerkopfschmerz, weil Eltern das Beste wollen
Das sind nicht selten die Eltern die dann irgendwann mit ihren Kindern in der Apotheke bei uns aufkreuzen und Rat suchen, was sie gegen den Dauerkopfschmerz ihres Kindes tun können.

Mein erster Rat ist immer, das Pensum zwischen Musikunterricht und Vorschule zu senken. Aber das ist für viele Eltern keine Option. Die Konkurrenz schläft nicht. Und man will schließlich das Beste für sein Kind.

Einfach Spielen ist für viele keine Option
Für viele Kinder hört der Arbeitsalltag deshalb heute nach den Hausaufgaben noch lange nicht auf. Nicht selten stehen noch 2-3x Sport oder Musikunterricht (oder beides) auf dem Plan. Eine Kollegin kam mal völlig perplex nach einem Elternabend zur Arbeit und berichtete,  dass andere Eltern sie beinahe vorwurfsvoll gefragt hätten, warum ihre Tochter denn so wenig Hobbys habe. Einfach Spielen am Nachmittag sei keine Option - für ein achtjähriges Kind!

Kein Doping fürs Kinderhirn!
In den letzten Jahren kam es immer mal wieder vor, dass Eltern für die Schultüte ihrer Kinder Nahrungsergänzungsmittel zur Konzentrations- und Leistungssteigerung besorgten. Wir haben inzwischen solche Produkte aus dem Sortiment genommen. Klassische Multivitaminsäfte stehen bei uns zwar noch in der Sichtwahl, aber „Doping“ fürs Kinderhirn bieten wir nicht mehr an.

Merle mag keinen Brokkoli
Neben Schul- und Freizeitstress kommt vor allem der „Essensstress“ in der Apotheke zur Geltung. Ich habe noch nie von Eltern die Aussage gehört: „Mein Kind ernährt sich super ausgewogen. Mit Essen haben wir keine Schwierigkeiten. Dass Merle keinen Brokkoli mag, ist halt so, da reiten wir nicht drauf rum“.

Angst vor Mangelernährung
Für viele Eltern ist es fast schon eine Urangst, dass ihr Kind zu wenig essen könnte, selbst wenn Klein-Finn wohlproportioniert aussieht. Auch wenn der Kinderarzt über ein Blutbild nachweist, dass es dem Kind blendend geht - nein! Der besorgte Elterntyp weiß es besser. Da reicht in dem meisten Fällen ein allgemeinversorgendes Vitaminpräparat nicht aus. Es muss außerdem etwas Appetitanregendes her.

Faustformel für kindgerechte Portionsgrößen
Dabei ist vielen Eltern gar nicht bewusst, was eigentlich eine kindgerechte Menge Nahrung wäre. Deshalb hier eine einfache Faustformel. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der Magen eines gesunden Kindes ist ungefähr so groß wie seine geballte Faust. In einen Kindermagen passt also viel weniger rein, als man denkt.

Meine Kollegin empfiehlt Eltern immer die Essensportionen anhand der Größe des Handtellers zu berechnen. Eine Handfläche entspricht der Portion an Fleisch, Fisch oder einer Portion Obst. Zwei Handflächen entsprechen der Portion an Beilagen oder kleingeschnittenem Obst. Wenn Eltern zweifeln, ob das stimmen kann, empfehlen wir gerne auch, die Ernährungsberater der jeweiligen Krankenkasse zu kontaktieren.

Blasse Haut muss nicht Eisenmangel bedeuten
Oft werten Eltern auch die (vermeintlich) blasse Hautfarbe des Kindes als Anzeichen von Mangelerscheinungen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, eine blasse Haut muss nicht unbedingt ein Eisenmangel sein- so einen zarten Teint bekommt man auch super mit Melaninmangel in der Haut hin, was hingegen nicht schädlich ist. Und vielleicht sollten nicht nur blasse Kinder einfach mehr an der frischen Luft spielen und ihr Leben genießen dürfen.

 


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